2024 hat das Volk dem neuen Stromgesetz deutlich zugestimmt. Was bedeutet der sogenannte Mantelerlass ganz konkret für die AEW Stromkundinnen und -kunden?
Von der Neuregelung merken die Stromkundinnen und -kunden im Alltag tatsächlich wenig. Sichtbar wird sie höchstens auf der Rechnung: Weil der Mantelerlass mehr Transparenz und Vergleichbarkeit schaffen soll, wird seit diesem Jahr ein separater Messtarif ausgewiesen, der bisher in der Grundgebühr enthalten war. Auch bei den neuen Vorgaben zu inländischer, erneuerbarer Energie für die Grundversorgung ist die AEW bereits heute mit ihren Produkten vorne dabei. Ein zentraler Bestandteil des Mantelerlasses ist der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien in der Schweiz. Dieser findet jedoch überwiegend im Hintergrund statt und ist für die einzelnen Kundinnen und Kunden meist nicht direkt spürbar. Ziel ist es, die Versorgungssicherheit langfristig zu stärken und die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren. Auch wenn sich der Alltag dadurch nicht unmittelbar verändert, bilden diese Entwicklungen die Grundlage für ein stabileres und nachhaltigeres Stromsystem. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Flexibilität – also die Möglichkeit, den Verbrauch der Produktion anzupassen. Ermöglicht wird das etwa durch neue Eigenverbrauchsmodelle wie den virtuellen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV) oder lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG). Sie erlauben es Kundinnen und Kunden mit einer Photovoltaikanlage, produzierte Energie weiterzuverkaufen. Das steigert die Rentabilität und schafft vor allem einen Anreiz, den Strom dann zu verbrauchen, wenn er produziert wird. Die neue Gesetzgebung macht zudem dynamischere Tarifmodelle möglich, die zunehmend im Markt eingeführt werden. Sie setzen zusätzliche Anreize, den Verbrauch zeitlich zu verschieben und flexibel auf das Stromangebot zu reagieren.
Mantelerlass – kurz erklärt
Das Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien, auch Mantelerlass genannt, schafft neue Regeln für eine sichere Stromversorgung in der Schweiz. Er fördert den Ausbau von einheimischem Strom aus Wasser, Sonne, Wind und Biomasse. Gleichzeitig soll Energie effizienter genutzt und die Abhängigkeit von Stromimporten verringert werden. Die neuen Bestimmungen betreffen Produktion, Speicherung, Verteilung und Nutzung von Strom und treten seit 2025 schrittweise in Kraft.
Warum wird Energieeffizienz mit dem neuen Stromgesetz noch wichtiger? Wo liegt der Unterschied zwischen «mehr Strom produzieren» und «Strom bewusster nutzen»?
Energieeffizienz war schon in der Energiestrategie 2050 des Bundes eine der wesentlichen Säulen. Mit dem neuen Stromgesetz wird dieser Pfeiler nochmals gestärkt und konkretisiert. Der Zusammenhang liegt auf der Hand: Jede eingesparte Kilowattstunde senkt den Bedarf an zusätzlicher Produktion, entlastet die Netze und verringert die Abhängigkeit von Stromimporten. Damit wirkt Effizienz direkt auf mehrere strategische Ziele des Bundes ein. Wichtig ist zudem, dass der Strom möglichst dort und dann verbraucht wird, wo und wann er produziert wird. Das soll über die Eigenverbrauchsmodelle gefördert werden – und betrifft alle, die mit einer eigenen Solaranlage Strom herstellen. Neu werden Energielieferanten verpflichtet, konkrete Beiträge zur Effizienzsteigerung zu leisten: Wir müssen nachweisen, dass wir pro Jahr zwei Prozent unseres Stromabsatzes mit Effizienzmassnahmen einsparen. Die AEW leistet hierzu bereits heute einen Beitrag, etwa durch die Umrüstung der öffentlichen Beleuchtung auf LED-Technologie. Künftig werden weitere Initiativen und Angebote folgen, um Kundinnen und Kunden noch gezielter bei der Optimierung ihres Energieverbrauchs zu unterstützen.
Welche einfachen Effizienzmassnahmen bringen Privathaushalten am meisten – ohne grosse Investitionen? Zum Beispiel bei Heizung, Warmwasser, Beleuchtung, Stand-by-Verbrauch oder Haushaltsgeräten.
Kleine, bewusste Entscheidungen sparen im Alltag Energie und Geld – ganz ohne Komfortverlust. Besonders wirksam: der oft unterschätzte Standby-Verbrauch von Fernseher, Router, Ladegeräten oder Hi-Fi-Anlagen, die dauerhaft am Netz bleiben. Wer solche Geräte über schaltbare Steckdosenleisten ganz vom Netz trennt, spart ohne grossen Aufwand spürbar Strom. Weitere Hebel liegen beim Geschirrspüler, der Waschmaschine, bei der Raumtemperatur und dem Warmwasser. Tipps dazu findet man online, zum Beispiel bei der Energieberatung des Kantons Aargau.
Wo verstecken sich im Haushalt die grössten Stromfresser? Und wie kann man diese mit wenig Aufwand erkennen und reduzieren?
Zu den grössten Stromfressern zählen in den meisten Haushalten Wärmeanwendungen: allen voran der Boiler für Warmwasser, der Tumbler sowie Kochherd und Backofen. Warmwasser ist besonders relevant, weil es täglich gebraucht wird und oft unbemerkt viel Energie verbraucht. Auch der Tumbler fällt ins Gewicht – er zählt zu den energieintensivsten Einzelgeräten im Haushalt. Nicht zu unterschätzen sind zudem ältere Kühl- und Gefriergeräte, die rund um die Uhr laufen, besonders wenn sie ineffizient eingestellt oder stark vereist sind. In Haushalten mit Smart Meter schafft das AEW Kundenportal Transparenz über den eigenen Stromverbrauch. Dieses Bewusstsein hilft zu erkennen, wo sich Einsparungen lohnen. Die Reduktion ist meist unkompliziert: Beim Tumbler lohnt es sich, wann immer möglich auf Lufttrocknung auszuweichen. Beim Warmwasser wirken schon kleine Anpassungen wie kürzeres Duschen oder tiefere Temperaturen. Kühlschränke und Gefriergeräte sollten richtig eingestellt und regelmässig abgetaut werden. Beim Ersatz von Geräten lohnt sich der Blick über den Anschaffungspreis hinaus: Effiziente Modelle sind zwar teurer, rechnen sich aber über die Lebensdauer.
Wie unterstützt AEW Kundinnen und Kunden dabei, ihren Energieverbrauch besser zu verstehen?
Neben zahlreichen Tipps auf der Homepage können AEW Kundinnen und -Kunden im Kundenportal ihren Stromverbrauch im 15-Minuten-Takt einsehen – vorausgesetzt, sie verfügen über einen installierten Smart Meter. Zudem lässt sich dort anhand weniger Angaben zum Haushalt ein Verbrauchsvergleich erstellen. Diese Transparenz macht Veränderungen oder hohe Verbräuche sichtbar, etwa wenn neue Geräte angeschafft werden oder sich das Nutzungsverhalten ändert. So wird der eigene Verbrauch deutlich besser nachvollziehbar als nur über die quartalsweise Abrechnung.
Link zum Kundenportal
Welche Rolle spielen Photovoltaik, Eigenverbrauch und Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch im Zusammenhang mit dem Mantelerlass?
Wie bereits erwähnt, ist ein wesentlicher Punkt im veränderten Energiesystem, dass sich der Verbrauch möglichst nach der wetterabhängigen Produktion richtet. Photovoltaikstrom bringt den grössten wirtschaftlichen Nutzen, wenn er gleich vor Ort genutzt wird. Wird mehr Strom lokal verbraucht, entlastet das die Verteilnetze: Weniger Lastspitzen und geringere Rückspeisung bedeuten weniger Bedarf an Netzausbau und geringere Verluste – letztlich also eine Form von Effizienzsteigerung auf Systemebene. Der Mantelerlass schafft für diese Entwicklung neue Rahmenbedingungen und zusätzliche Anreize. Der virtuelle Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV) und lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) ermöglichen es, über einzelne Gebäude hinauszugehen und Strom innerhalb eines Quartiers oder einer ganzen Gemeinde zu teilen. Dadurch lässt sich Solarstrom auch dann nutzen, wenn er im eigenen Haushalt gerade nicht gebraucht wird. Richtig austariert steigert das den Anreiz zum Eigenverbrauch auf lokaler Ebene.
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Was bedeutet «Strom dann nutzen, wenn er verfügbar ist» künftig für die Kundschaft?
Das Ziel muss sein, den Verbrauch dank automatisierter Steuerung flexibler Stromverbraucher an die Produktion anzupassen – und das ohne Komfortverlust. Im Zentrum stehen dabei sogenannte Home Energy Management Systeme (HEMS). Sie steuern Geräte wie Wärmepumpen, Boiler, Elektroautos oder weitere Haushaltsgeräte automatisch so, dass diese vor allem dann laufen, wenn viel Strom vorhanden ist – für die Kundschaft geschieht das weitgehend im Hintergrund. Die Steuerung kann sich an der Produktion der eigenen PV-Anlage orientieren oder an dynamischen Tarifen, die direkt vom HEMS eingelesen werden. Dadurch lassen sich gleichzeitig die Kosten optimieren. Zunehmend entstehen auch Modelle, bei denen Kundinnen und Kunden ihre Flexibilität gezielt zur Verfügung stellen: Steuerbare Geräte werden dabei in einen Pool eingebunden, den das Energiesystem nutzt. Als Gegenleistung erhalten die Kundinnen und Kunden eine Vergütung.
Wie verändert sich die Rolle von Energieversorgern wie AEW durch den Mantelerlass?
Das Energiesystem verändert sich durch den Zubau von Photovoltaikanlagen bereits seit einigen Jahren. Eine Energieversorgerin wie AEW liefert nicht mehr nur Strom an die Kundschaft, sondern nimmt auch Strom von zahlreichen produzierenden Kundinnen und Kunden ab. Um diese Herausforderungen zu meistern, braucht es neue Produktvarianten, die erst durch den Mantelerlass möglich werden. Ein zentraler Aspekt ist der Umgang mit Flexibilität. Es geht nicht mehr nur darum, Strom bereitzustellen, sondern Verbrauch und Produktion besser aufeinander abzustimmen. Was heute in einem Haushalt mit Photovoltaikanlage selbstverständlich ist – nämlich Energie dann zu verbrauchen, wenn sie produziert wird – muss künftig für das gesamte Energiesystem gelten. Die AEW wird hier zur Koordinatorin, etwa indem sie Dienstleistungen im Bereich der Eigenverbrauchsmodelle bereitstellt oder dynamische Tarife anbietet. Ein weiterer Punkt ist die Umsetzung von Energieeffizienz. Versorger werden stärker in die Pflicht genommen, konkrete Beiträge zur Senkung des Stromverbrauchs zu leisten. Für AEW bedeutet das, Effizienz fest im Geschäftsmodell zu verankern.
Welche Irrtümer rund ums Energiesparen begegnen AEW besonders häufig?
Ein klassischer Irrtum: «PV lohnt sich nur auf Süddächern.» Das stimmt heute so nicht mehr. Zwar liefern Süddächer im Jahr den höchsten Ertrag, doch Ost-/West-Dächer produzieren dafür früher am Morgen und später am Abend – das passt oft besser zum Verbrauch im Haushalt und erhöht den Eigenverbrauch. Zudem fällt weniger Produktion in die Mittagsstunden, wenn das Marktangebot am höchsten ist, was tendenziell stabilere Erlöse bringt. Ein weiterer Irrtum: «Strom kommt einfach aus der Steckdose.» Tatsächlich muss er laufend produziert, transportiert und im Gleichgewicht gehalten werden – mit einem stetig wachsenden Anteil wetterabhängiger, erneuerbarer Energien wird das immer anspruchsvoller. Deshalb gewinnt ein bewusster Umgang mit Strom an Bedeutung, nicht nur in Bezug auf den Verbrauch selbst, sondern auch, wann Strom genutzt wird.