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«Angefressen»

Delia Lahmici spielte als einziges Mädchen im Bubenteam –, weil es nichts anderes gab. Heute trainiert sie die U20 der FC Aarau Frauen und beobachtet, wie eine neue Generation Spielerinnen heranwächst: mit Strukturen, Vorbildern und Träumen, die es zu ihrer Zeit schlicht nicht gab.

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Wann sie zum ersten Mal gegen einen Ball trat, weiss Delia Lahmici nicht mehr so genau. Sie war aber noch sehr klein: «Ich spielte schon mit den Buben aus der Nachbarschaft, lange bevor mich meine Eltern mit sechs oder sieben nach langem Drängeln schliesslich beim FC Buchs anmeldeten», erinnert sich die heute 29-Jährige. Dass es dort auf Juniorenstufe kein Mädchenteam gab und sie deshalb als einziges Mädchen bei den Buben spielte, störte sie nicht. Fussballspielen habe ihr einfach Spass gemacht, sagt Delia, da sei der eine oder andere dumme Spruch von Gegenspielern oder Zuschauern nicht ins Gewicht gefallen: «Das habe ich einfach ausgeblendet.»

Ausnahme, nicht Normalfall

Nicht nur als einziges Mädchen fiel Delia auf, sondern auch, weil sie überdurchschnittliches Talent zeigte. So führte ihr Weg bald weiter: Zunächst in eine RegioAuswahl und schliesslich in den Nachwuchs des FC Aarau Frauen (Red Boots). Dort spielte die Dreizehnjährige in der U18 – damals die einzige Nachwuchsstufe für Mädchen. «Ich war eigentlich noch ein Kind und spielte plötzlich mit jungen Frauen zusammen», erinnert sie sich. Trotzdem wechselte Delia bereits mit 16 in die 1. Mannschaft und spielte in der damaligen Nationalliga B. Mit 21 ging sie zum FC Luzern, um sich in einem neuen Umfeld zu beweisen. Dass es noch mehr geben könnte – ein Leben als Profifussballerin, der Weg ins Ausland – war für die junge Delia lange undenkbar: «Das gab es in meiner Welt einfach nicht», sagt sie

Motiviert - aus Überzeugung

Heute ist Delia Assistenztrainerin bei der U20 des FC Aarau Frauen und erlebt täglich, wie sehr sich diese Welt gewandelt hat: Wo es früher nur eine einzige Nachwuchsstufe gab, bietet der FC Aarau Frauen heute ein gestaffeltes Fördergefäss von der U14 bis zur U20 – altersgerecht, mit Athletiktrainerinnen, Physiobetreuung, Talentmanagement und Mentalcoaching. «Das alles gab es zu meiner Zeit nicht», sagt Delia.

Was sich dagegen kaum verändert hat – und das sagt Delia mit echtem Respekt –, ist die Eigenmotivation der Spielerinnen: «Die trainieren nicht, weil jemand sie zwingt oder weil sie Geld damit verdienen. Die sind einfach angefressen.» Diese Haltung habe den Frauenfussball schon immer getragen, sagt sie. Vielleicht sogar stärker als heute, weil die Perspektiven noch weit unsicherer waren. Was sich aber verändert hat: Die Mädchen wissen heute, wohin dieser Weg führen kann. Sie kennen Schweizerinnen, die in England, Deutschland oder Spanien spielen. Manchmal sogar aus dem eigenen Verein.

Der Sommer, der alles veränderte

Entscheidenden Schub brachte auch der Sommer 2025. Die Europameisterschaft im eigenen Land war mehr als ein Turnier: «Ich hatte gehofft, dass die Euro eine Euphorie auslösen würde», sagt Delia. «Aber dass es so gross wird, hatte ich nicht erwartet.» Ein zehnjähriges Mädchen, das heute die Nati live im Stadion sieht, trägt ein Bild mit sich, das bleibt. Und was möglich ist, wenn Vorbilder sichtbar werden, zeigt sich heute Tag für Tag auf unzähligen Fussballplätzen in der ganzen Schweiz.


Weitere Infos und Spielplan der FC Aarau Frauen: www.fcaaraufrauen.ch

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