Technik am Limit
Während der Sommerpause bieten sich im Brügglifeld ungewohnte Bilder: Ein LKW-Kran schwenkt seinen gewaltigen Arm aus, spezialisierte Industriekletterer erklimmen die über 20 Meter hohen Beleuchtungsmasten und machen sich in luftiger Höhe an die Arbeit. Mit Trennschleifern kappen sie die Spitzen der Beleuchtungsmasten, der Kran lässt das massive Betonteil mitsamt Scheinwerfern anschliessend sanft zu Boden gleiten. Über 120 veraltete Halogenmetalldampf-Leuchten werden so demontiert und durch 103 moderne LED-Leuchten ersetzt. Das anspruchsvolle Projekt wurde von der AEW in enger Zusammenarbeit mit der Platzgenossenschaft Brügglifeld, dem FC Aarau sowie weiteren Projektpartnern umgesetzt.
Damian Schenk, Leiter öffentliche Beleuchtung bei der AEW und Projektleiter vor Ort
Die alte Beleuchtungsanlage war in die Jahre gekommen, der Unterhalt immer teurer geworden. «Nicht nur die Technik war veraltet, es gab auch kaum noch Ersatzteile für diese Leuchten», erklärt Damian Schenk, Leiter öffentliche Beleuchtung bei der AEW und Projektleiter vor Ort. Da Halogenmetalldampf-Leuchten nicht mehr hergestellt werden, sind weder neue Leuchten noch Ersatzteile verfügbar. Eine Instandhaltung der bestehenden Beleuchtungsanlage wird dadurch zunehmend erschwert.
Hinzu kommt der lichttechnische Aspekt: Die Anforderungen der Swiss Football League (SFL) an Stadionbeleuchtungen – wichtig für TV-Übertragungen – waren mit der alten Anlage kaum noch zu erfüllen.
60 Prozent weniger Strom
Mit der neuen LED-Anlage sinkt der Stromverbrauch um über 60 Prozent. Keine Aufwärmphase, keine Leerstarts nach Unterbrüchen: LED-Leuchten liefern beim Einschalten sofort volle Lichtleistung. Jede einzelne Leuchte lässt sich zudem individuell dimmen – ein entscheidender Vorteil im laufenden Betrieb. Vor und nach dem Spiel kann die Anlage mit reduzierter Leistung laufen, was Energie und Kosten spart. Durch die gleichmässigere Ausleuchtung wird die Bildqualität bei TV-Übertragungen deutlich verbessert. Und: LED-Leuchten erzeugen weniger Hitze – Insekten, die vom hellen Licht angezogen werden, verbrennen nicht mehr an den heissen Leuchtkörpern. Die neuen Leuchten sind zudem vollständig recycelbar und enthalten keine Schadstoffe
Bereichsübergreifende Zusammenarbeit
Für die AEW ist das Brügglifeld auch ein Referenzprojekt dafür, was sie als Energiepartnerin leistet. «Das Brügglifeld ist ein wichtiger Ort für den Aargauer Fussball und für die Region. Mit der neuen LED-Beleuchtung leisten wir gemeinsam mit unseren Partnern einen konkreten Beitrag zu mehr Energieeffizienz, Betriebssicherheit und Nachhaltigkeit», sagt Marc Ritter, CEO der AEW Energie AG. Intern war das Projekt eine Herausforderung: Rund 20 AEW Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen und Regional Centern arbeiteten Hand in Hand mit den Partnerfirmen, unter teils anspruchsvollen Bedingungen auf Masten und Hebebühnen, mit höchsten Anforderungen an die Arbeitssicherheit. Der Beleuchtungswechsel im Brügglifeld bietet auch konkrete Lösungsansätze für ähnliche Situationen. Viele Sportanlagen stehen heute vor ähnlichen Problemen: veraltete Technik, hohe Energiekosten und steigender Wartungsaufwand. Mit LED-Lösungen kann die AEW betroffenen Gemeinden und Vereinen praxiserprobte Optionen bieten
Ein Gewinn für alle
Auch aus Sicht der Platzgenossenschaft Brügglifeld war die Erneuerung ein wichtiger Schritt. «Das Brügglifeld soll auch in Zukunft ein Stadion sein, das die Anforderungen an Spielbetrieb, Sicherheit und TV-Übertragungen jederzeit erfüllt», sagt Peter Gloor, Präsident der Platzgenossenschaft. Und FCA-Geschäftsführer Sandro Burki ergänzt: «Für den FC Aarau ist das Brügglifeld mehr als ein Stadion. Es ist Heimat und Treffpunkt. Die neue Beleuchtung verbessert die Bedingungen auf dem Platz, für die Fans und sie passt zu unserem Anspruch, den Stadionbetrieb nachhaltig zu gestalten.»
Das Stadion Brügglifeld - eine Zeitreise
Seit 1924 ist das Brügglifeld die Heimstätte des FC Aarau – eingeweiht am 12. Oktober mit einem Spiel gegen den damaligen Schweizer Meister FC Zürich. Bereits 1929 brannte die Holztribüne ab, wurde aber innert zwei Monaten neu aufgebaut. 1959 fasste das Stadion dank ausgebauter Stehrampen bis zu 13 000 Zuschauer. 1970 wurden vier Flutlichtmasten installiert, eingeweiht bei einem Spiel gegen den FC Bayern München. 1982 ersetzte die noch heute bestehende Betontribüne den alten Holzbau. Nach der Renovation 1992 feierte der FC Aarau am Ende der Saison seinen Meistertitel. 2024 feierte das Stadion sein 100-Jahr-Jubiläum.